Neue Studie: Antisemitismus in Nordrhein-Westfalen: Perspektiven auf Bildungspraxis und Präventionsarbeit nach dem 7. Oktober 2023
Die Präventionsarbeit gegen Antisemitismus steht seit dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 vor wachsenden Herausforderungen. Eine Studie der Düsseldorfer Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus (SABRA) im Auftrag des zur Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen gehörenden Demokratiezentrums NRW nimmt verschiedene Bereiche der Bildungs- und Präventionslandschaft in Nordrhein-Westfalen in den Blick. Dabei identifiziert die Anfang März erschienene Studie den Ist-Zustand sowie zentrale Herausforderungen und Bedarfe.
In der Gesamtstudie fließen drei voneinander unabhängige Teiluntersuchungen zusammen: eine quantitative, anonyme Online-Befragung von Lehrkräften in NRW, qualitative Interviews mit jüdischen Bildungspraktikerinnen und -praktiker sowie eine inhaltliche Analyse landesgeförderter Projekte im Themenfeld Antisemitismus.
Die Studie zeigt
- Bedarf an externer Unterstützung: Lehrkräfte wünschen sich deutlich mehr externe Unterstützung, um Antisemitismus im schulischen Kontext wirksam begegnen zu können. Antisemitische Äußerungen haben seit dem 7. Oktober zugenommen und Unterricht kann in zahlreichen Fällen nicht ungestört stattfinden.
- Notwendigkeit eines umfassenden Bildungsansatzes: In Bildungseinrichtungen und auf Fachveranstaltungen die Lage und individuelle Betroffenheit jüdischer Kolleginnen und Kollegen häufig wenig wahrgenommen. Geäußert wird der Wunsch, Antisemitismus stärker bei der Lehrkräfteausbildung zu berücksichtigen und Antisemitismus in Bildungskontexten umfassend zu begegnen und nicht allein in der Arbeit mit Jugendlichen zu thematisieren;
- Erfordernis klarer Ziele für die Antisemitismusprävention: Auf der Basis der Analyse landesgeförderter Projekte wird die Festlegung klare Ziele und Grenzziehungen für die Antisemitismusprävention als wünschenswert herausgestellt: Welche Methode verfolgt welches Ziel? Was bewirken einzelne Formate und wo liegen ihre Grenzen? Antisemitismusprävention ist vielfältig, jedoch nicht jedes Format eignet sich gleichermaßen, um die Funktionalität des Antisemitismus begreifbar zu machen; hier bedarf es klarerer Unterscheidungen, etwa zwischen affektiv orientierten Ansätzen, kognitiv ausgerichteter Bildung gegen und über Antisemitismus sowie phänomenspezifischen und phänomenübergreifenden Ansätzen.
- Stärkere Berücksichtigung des Stands der Forschung: Dazu zählen insbesondere die Relevanz des israelbezogenen Antisemitismus bzw. der Israelfeindschaft, Antisemitismus als globales Phänomen in superdiversen Gesellschaften sowie die Spezifik und Eigenständigkeit des Antisemitismus als gesellschaftliches Phänomen.
zur Studie (Pdf-Datei, 900 KB)