Demokratiebericht 2026
Landeszentrale und wissenschaftliches Team der Universität Duisburg-Essen überreichen dritten Demokratiebericht an den Präsidenten des Landtags.
Die Landeszentrale für politische Bildung und das wissenschaftliche Team der Universität Duisburg-Essen haben Landtagspräsident André Kuper den dritten Demokratiebericht überreicht. Der Bericht zeige, dass Demokratie nicht selbstverständlich sei, so der Landtagspräsident. „Es ist gefährlich für Frieden und Freiheit, wenn die demokratische Überzeugung einer Gesellschaft ins Rutschen gerät. Der Landtag bringt Menschen zusammen, um Demokratie zu stärken: Mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher, vor allem viele junge Menschen, erleben, wie Politik funktioniert. Demokratie zu leben und zu erklären, ist auch der Auftrag der Landeszentrale. Und ich bin dankbar, dass sie dem jetzt im Landtag, dem Zentrum der Demokratie in unserem Land, nachkommt“, sagte Kuper.
Seit 2021 legt die Landeszentrale im zweijährigen Turnus und mit wechselnden thematischen Schwerpunkten ein Lagebild zu Demokratie und politischer Bildung in Nordrhein-Westfalen vor und spricht Handlungsempfehlungen aus.
Das Wichtigste aus dem dritten Demokratiebericht in Kürze:
- Was bedeutet Demokratie? Viele Menschen sind unsicher: Insgesamt ist die Demokratie als Staats- und Lebensform in Nordrhein-Westfalen in ihrem Bestand nicht bedroht. Aber das Verständnis davon, was Demokratie ausmacht, wackelt bei zu vielen Menschen. So gehören rund 42 Prozent der Menschen in Nordrhein-Westfalen zur Gruppe der fragilen Demokraten, bei denen sich demokratische und undemokratische Einstellungen mischen.
- Zufriedenheit mit Demokratie sinkt: Die Zufriedenheit mit der tatsächlichen Funktionsweise der Demokratie ist im Vergleich zu 2023 in den mittleren Altersgruppen weiter stark zurückgegangen (bei den 30 bis 44 Jährigen: -18 Prozentpunkte) und in der jüngsten Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen regelrecht eingebrochen (-30 Prozentpunkte).
- Einschätzung der Lebenslage korrespondiert mit Demokratiezufriedenheit: Wer die eigene Lebenslage als gut beurteilt, ist unabhängig vom Alter auch zufriedener mit der Demokratie. Die Bewertung der wirtschaftlichen Situation ist ein Schlüssel für die Wahrnehmung der Lebenslage. Das heißt auch: Die Demokratie stabilisiert sich in der sozioökonomischen Mitte der Gesellschaft. Die wirtschaftliche Entwicklung ist ein zentraler Faktor. Andreas Blätte, Direktor NRW School of Governance und Leiter der wissenschaftlichen Begleitung des Demokratieberichts, sagt dazu: „Die Demokratie in Nordrhein-Westfalen ist nicht akut gefährdet, aber mittelfristig in Gefahr. Persönliche Sorgen, ein wahrgenommener Mangel an wirtschaftlichen Ressourcen und Chancen sowie diffuse Zukunftsangst nagen am demokratischen Selbstverständnis der Menschen in Nordrhein-Westfalen.“
- Engagement und Beteiligung sind Schlüssel für mögliche Verbesserungen: Engagement und Beteiligung sind im Dreiklang aus Zuhören – Erklären – Handeln ein zentraler Schlüssel für Verbesserungen. In Schule, Ehrenamt und Zivilgesellschaft sind zeitliche, fachliche und finanzielle Ressourcen entscheidend, um die Demokratie zu stärken.
- Prinzipien der Demokratie betonen: Politische Bildung macht vieles richtig, muss aber bestimmte Gruppen stärker mit politischer Grundbildung abholen. Die Einrichtungen der politischen Bildung sollten noch stärker als bisher ein Bewusstsein für grundlegende Prinzipien der Demokratie wie Gewaltenteilung, Minderheitenrechte oder die Rolle der Parteien als Institutionen der Willensbildung vermitteln.
Der Demokratiebericht ist eine Art Pulsmesser der Demokratie in Nordrhein-Westfalen. Er beruht auf einer datengestützten Analyse der Einstellungen zur Demokratie in der nordrhein-westfälischen Bevölkerung. „Die Landeszentrale für politische Bildung versteht den Demokratiebericht als Anknüpfungspunkt für einen Dialog über Demokratie und Zusammenleben in unserem Land“, so der kommissarische Leiter der Landeszentrale, Professor Andreas Kost. In den meisten Bundesländern gibt es Demokratie-Monitore. Eine Besonderheit in Nordrhein-Westfalen ist die enge Verknüpfung von Wissenschaft und politischer Bildung, die durch die gemeinsame Arbeit von Landeszentrale und NRW School of Governance zum Ausdruck kommt.
Der Bericht geht auf einen Auftrag der Fraktionen des Landtags aus der 17. Wahlperiode zurück, der in der Debatte zum 70. Jubiläum des Grundgesetzes im Mai 2019 angenommen wurde. Der Auftrag zur Studie verbindet den Wunsch nach Informationen zur politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen mit der Absicht zur Stärkung der Demokratie. Mit der Verabschiedung des Gesetzes über die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen ist der Demokratiebericht Teil der gesetzlichen Aufgaben der Landeszentrale geworden.
Der wissenschaftliche Ansatz ist der Erforschung der politischen Kultur verpflichtet – ein etabliertes und zugleich innovatives Forschungsfeld der Politikwissenschaft. An der repräsentativen Befragung haben insgesamt 2.914 Personen teilgenommen. Der Anteil der 14- bis 25-Jährigen war in der Befragung überproportional und wurde später entsprechend dem tatsächlichen Anteil an der Bevölkerung in der Gesamtstichprobe berücksichtigt. Der Demokratiebericht ist daher eine Studie, die besonders zuverlässig Auskunft über die Einstellungen junger Menschen geben kann.
Zum Demokratiebericht (Pdf-Datei, 4,7 KB)