Es lohnt, wenn wir uns einbringen
Vollzeit-Studentin, Gruppenleiterin bei den Pfadfindern und dann auch noch EU-Jugendbotschafterin: Emily Voigtland ist mit ihren 23 Jahren schon ein Profi im Zeitmanagement. Für uns hat sie eine kurze Pause eingelegt und erzählt, wieso ihr Engagement so viel bedeutet.
Vollzeit-Studentin, Gruppenleiterin bei den Pfadfindern und dann auch noch EU-Jugendbotschafterin: Emily Voigtland ist mit ihren 23 Jahren schon ein Profi im Zeitmanagement. Für uns hat sie eine kurze Pause eingelegt und erzählt, wieso ihr Engagement so viel bedeutet.
Emily Voigtland hat gerade ihre Bachelor-Arbeit abgegeben. Ihr Studiengang Transkulturelle Studien hat ihr viele Blickwinkel ermöglicht: „Mir gefällt, dass wir uns nicht auf ein Fach beschränken mussten und dass die ganze Welt Thema sein konnte“, erzählt die 23-Jährige begeistert. Denn sie interessiert sich sehr für Kultur und Sprachen, aber auch für Sozialwissenschaften und Politik. Ab Herbst soll es mit dem Masterstudium weitergehen, am liebsten mit einem soziologischen Schwerpunkt. Für ihr Studium ist Emily Voigtland nach Düsseldorf gezogen. Den Pfadfindern in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach bleibt sie aber eng verbunden, seit Kindesbeinen gehört sie schon dazu.
Pfadfinder – das heißt Lagerfeuer und Uniform? Emily Voigtland lacht. Weder die Kluft noch das Lagerfeuer stehen im Fokus. Es geht zwar auch um das Leben unter freiem Himmel und um den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur, im Kern steht aber das Miteinander. „Auch bei den Pfadfindern treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander, da lernt man schnell, wie man gut miteinander kommuniziert und wie man Vertrauen aufbaut“, sagt die Studentin. Auf ihre eigene Kindheit mit den Pfadfindern blickt sie gerne zurück, sie hatte viel Spaß, hat viele Freundschaften geschlossen – und wollte das weitertragen.
Gemeinsam mit einer Freundin hat sie daher 2021 die Leitung eines Pfadfinder-Trupps übernommen. Einmal pro Woche ist Gruppenstunde: Für rund 20 Kinder organisieren die Leiterinnen und Leiter dann Spiele oder üben Pfadfindersachen wie Feuer machen, Knoten oder Zelte aufbauen. Dazu kommen Stadtfeste oder Zeltlager, für die es viel zu planen und organisieren gibt. Es ist nicht immer einfach, die Zeit dafür zu finden – aber es lohnt sich, strahlt Emily Voigtland: „Die Gemeinschaft und die Freundschaft, die haben mich überzeugt.“ Sie will weitermachen, solange sie den Draht zu den Kindern und Jugendlichen hat – und solange sie das mit dem Studium vereinbaren kann.
Europa greifbar machen als EU-Jugendbotschafterin
Vor einem Jahr hat die junge Frau ihren Alltag aus Studium und Ehrenamt noch etwas voller gepackt und einen Nebenjob begonnen. Dabei war es ihr wichtig, eine Aufgabe zu finden, die sie erfüllt und die Sinn hat. Als eine Freundin ihr von CIVIC erzählt, ist sie sofort dabei: Das Institut vermittelt europapolitische Themen und bildet junge Menschen weiter, die sich für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern begeistern. Im vergangenen Schuljahr war Emily Voigtland als EU-Jugendbotschafterin an zwei Schulen in Düsseldorf und Oberhausen.
Zeigen, wie wichtig die EU ist, so umreißt sie ihre Aufgabe in den 9. und 10. Klassen. Dabei fragen die Schüler oft, was die EU überhaupt mit ihnen zu tun habe. „Das Interesse ist oft gering, weil die EU erstmal nicht sichtbar ist“, vermutet die Studentin. Dann hilft es, auf den eigenen Alltag zu blicken: dass man ohne Pass in die nahen Niederlande fahren kann, dort mit dem Euro bezahlen – das sind Vorteile, die allen sofort klar werden, wenn man darüber spricht. In insgesamt sechs Workshops pro Schuljahr geht es darum, Europa für die Jugendlichen greifbar zu machen. Ob bei Klimaschutz, Handel oder Medien. Abstrakte Themen wie Zölle oder den Binnenmarkt zum Beispiel vermittelt sie in Form eines Planspiels, in dem es um Rohstoffe geht. Ist es ihr gelungen, mit den Klassen neue Blickwinkel zu erarbeiten? „Wenn es nur zwei, drei Leute sind, die was mitnehmen, ist das auch schon was“, nickt sie. „Es lohnt immer, wenn wir uns einbringen.“
jung&engagiert
Dieses Porträt ist Teil unserer Serie „jung&engagiert“. Darin stellen wir in loser Folge junge Menschen vor, die sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt, demokratische Grundwerte und Fairness einsetzen.