Mit besonderer Jury-Empfehlung: neue Kinder- und Jugendbücher
Jedes Jahr im November wird der Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher verliehen. Bevor sie das Gewinnerbuch küren, lesen die Mitglieder der unabhängigen Jury alle eingereichten Titel. Einige davon schaffen es auf die Empfehlungsliste – wir stellen sie vor.
Klare Botschaft gegen Rassismus
Die drei Autorinnen Gabriele Bergfeld, Christina Schulz zur Wiesch und Corinna Maßmann zeichnen das Leben von Mevlüde Genç nach. Protagonist des Buches ist dabei der 10-jährige Luca: Er fragt sich, was damals in seiner Nachbarschaft geschehen ist. Dort lebte Mevlüde Genç, die in den 1970er Jahren aus der Türkei nach Solingen gezogen war. Ihre Familie baute sich in der neuen Heimat ein Leben auf, das im Mai 1993 abrupt endet: Durch einen rechtsextremistisch motivierten Brandanschlag verliert Mevlüde zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Dennoch hat sie bis zu ihrem Tod immer wieder zu Menschlichkeit aufgerufen und sich für Frieden und Versöhnung eingesetzt. Ihre Botschaft, so die Autorinnen, gilt bis heute: »Begegnet Hass nicht mit Hass. Lasst uns Freunde sein!«
„Mevlüde bleibt! Die wahre Geschichte einer Frau, die Rassismus mit Frieden und Versöhnung begegnet“ richtet sich an Leserinnen und Leser ab 9 Jahren. Emma Schneider hat das Buch illustriert. Unterrichtsmaterial zum Buch gibt es auf der Verlagsseite.
Die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen hat das Buch im Angebot: Mevlüde bleibt!
Drei Leben in einem Buch
Der Roman „Wenn die Welt unsere wäre“ verbindet drei verschiedene Geschichten miteinander. Das Buch beginnt mit Harald, der in den letzten Wirren des Zweiten Weltkriegs verletzt wird und in einem britischen Verhörzentrum landet. Die Wehrmacht hat kapituliert, der Krieg ist vorbei. Wie kann der ehemalige Hitlerjunge jetzt weiterleben? Der zweite Handlungsstrang spielt vier Jahrzehnte später: Jennifer lebt in der DDR, es ist 1988. Sie liebt den Sport, doch damit soll Schluss sein. Ihr weiterer Weg wurde von langer Hand geplant, Jennifer soll für die Staatssicherheit spionieren. Was, wenn sie sich weigert? Nadiems Geschichte schließlich spielt in der Gegenwart. Der Schüler musste aus seiner Heimat fliehen und ist jetzt in Deutschland zuhause. Immer wieder sieht er sich dort mit rassistisch motivierter Gewalt konfrontiert.
Die Geschichten der drei Jugendlichen liegen Jahrzehnte auseinander und zeigen doch klare Parallelen: Alle drei kämpfen für ihre Freiheit und Selbstbestimmung. Autor Christian Linker verwebt die drei Perspektiven zu einer Geschichte über Grenzen und den Mut, über sie hinauszuwachsen.
„Wenn die Welt unsere wäre. Drei Jugendliche. Drei verschiedene Zeiten. Ein Traum von Freiheit“ richtet sich an Leserinnen und Leser ab 14 Jahren.
Aktuelle Themen für ein junges Lese-Publikum
Die beiden Titel „Mevlüde bleibt!“ und „Wenn die Welt unsere wäre“ stehen auf der Empfehlungsliste der Jury des Gustav-Heinemann-Friedenspreises für Kinder- und Jugendbücher 2026. Mit dem Preis wird jedes Jahr ein Buch prämiert, das junge Leserinnen und Leser ermutigen soll, sich für Menschenrechte, für zivile Formen der Konfliktbewältigung, für Toleranz und gegen Gewalt zu engagieren. Die Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen verleiht den Preis, der 1982 ins Leben gerufen wurde. In diesem Jahr geht der Gustav-Heinemann-Friedenspreis an die philippinische Autorin Candy Gourlay sowie die Übersetzerin Alexandra Rak.