Screenshot Webseite Tagung Kolonialgeschichte

Tagung in Münster zur deutschen Kolonialgeschichte

Was wissen die Menschen in Deutschland über die Kolonialvergangenheit des Landes? Und wie sind sie gegenüber diesen Themen eingestellt? Das haben Wissenschaftler der Universität Münster in einer großen Befragungsstudie untersucht. Die Ergebnisse und zahlreiche weitere Forschung zum Thema werden auf einer Tagung vorgestellt, die am 26. und 27. März in Münster stattfindet.

 

Für die Studie wurden über 2000 Online-Fragebögen ausgewertet. Ziel der Untersuchung war es, den Wissensstand und die Einstellungen der Bevölkerung zur deutschen Kolonialvergangenheit zu erheben. Die repräsentative Befragung wurde zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut FORSA umgesetzt. Entsprechend spiegelt die befragte Gruppe in ihrer Zusammensetzung die Gesamtbevölkerung wider – die Studienergebnisse sind damit auf die gesamte Bundesbevölkerung verallgemeinerbar.

 

Dies sind die zentralen Ergebnisse:

 

  • 9 von 10 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern (91%) wissen, dass Deutschland früher Kolonien besaß.

     

  • 60 Prozent der Befragten urteilen, dass die damaligen Geschehnisse aus heutiger Perspektive historisches Unrecht gewesen seien.

     
  • Gleichzeitig stimmte jede und jeder dritte Befragte der Aussage zu, nach mehr als 100 Jahren sei bei der Erinnerung an die deutsche koloniale Vergangenheit ein Schlussstrich nötig.

     
  • Über 43 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu: „Ich habe das Gefühl, dass dieses Thema oft dazu benutzt wird, um uns ein schlechtes Gewissen zu machen.“ 

 

Unterschiedliche Bewertungen zur Aufarbeitung 
Auch die Frage nach der Übernahme historischer Verantwortung war Gegenstand der Studie. Eher symbolischen Akten wie der Errichtung eines Mahnmals oder einer offiziellen Entschuldigung der Bundesregierung bei den Nachfahren der Opfer deutscher Kolonialherrschaft haben jeweils etwa 40 Prozent der Befragten zugestimmt. Bei anderen Maßnahmen, etwa Entschädigungszahlungen oder der Rückgabe geraubter Kulturgüter, war die Zustimmung wesentlich geringer. Auch der Bezug kolonialer Denkmuster zur eigenen Gegenwart wurde abgefragt: 32 Prozent der Befragten gaben an, koloniale Denkweisen seien bis heute prägend. Ebenso hoch war der Anteil der Befragten, die Ursachen für Rassismus in der Gegenwart mit dem Kolonialismus in Verbindung bringen.

 

Die Studie ist Teil des von der Landeszentrale geförderten Projekts „Kolonialgeschichte, Geschichtskultur und historisch-politische Bildung in Nordrhein-Westfalen“. Die Forschungsergebnisse sollen die Grundlage bilden, um Bildungsmaterialien zum Thema Kolonialismus und Kolonialgeschichte zu entwickeln.