Politische Bildung im Strafvollzug
2021 hat die Landeszentrale ein modulares politisches Bildungsangebot zur Demokratie- und Toleranzerziehung für Inhaftierte in Justizvollzugsanstalten und für Jugendliche in Jugendarrestanstalten entwickelt. Die Umsetzung des Programmes erfolgt seitdem in zehn ausgewählten Justizvollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen.
Demokratie- und Toleranzerziehung ist politische Bildung, die durch prozesshaftes Lernen in der Gruppe Bildungserlebnisse ermöglicht. Sie hat Angebotscharakter und berücksichtigt die unterschiedlichen Lernkulturen und Lernwege der verschiedenen Gruppenmitglieder. Sie vermittelt niemals Gewissheiten und vermeidet Begriffe wie „richtig“ und „falsch“. Ihr Ziel ist es, in Konfliktsituationen zu mehr Orientierung und Kreativität und damit letztendlich zu einer Erweiterung einer gewaltfreien Handlung beizutragen.
Mit Hilfe ausgewählter Übungen und Methoden sollen die Teilnehmenden in die Lage versetzt werden, auf tolerante Weise mehrere Wahrheiten nebeneinander „aushalten“ zu können. Das vorliegende Bildungsangebot beinhaltet neben der Förderung autonomer Wirklichkeitsinterpretationen Übungen zur Unterstützung der Identitätsstabilisierung und Identitätsentwicklung. Gleichzeitig sind die Übungen und Methoden auf partnerschaftliche Kommunikation als Basis gewaltfreier Interaktion ausgerichtet. Hierbei werden Kommunikationskompetenzen vermittelt und eingeübt, die dazu befähigen sollen, sich auf tolerante Weise mit anderen zu einigen. Gängige Kommunikationsmuster, den eigenen Standpunkt auf jeden Fall durchsetzen zu müssen und andere von der eigenen Meinung zu überzeugen, können so leichter durchbrochen werden.
Grundlage für das Angebot ist die Handreichung „Demokratie erleben – Achtung und Toleranz in unserer vielfältigen Gesellschaft“.