Sommer-Newsletter 2026

Liebe Newsletter-Leserinnen und -Leser,
liebe Freundinnen und Freunde der Landeszentrale,

zum Start in die Sommerferien fehlt Ihnen noch die passende Lektüre? Da haben wir etwas für Sie. In unserem sommerlichen Sonder-Newsletter haben wir Medien-Tipps für die ganze Familie zusammengestellt. Im kleinen Veranstaltungskalender finden Sie ausgewählte Termine für die zweite Jahreshälfte. Ganz besonders freuen wir uns, dass wir Prof. Dr. Andreas Kost interviewen konnten: Er spricht über den Start der Landeszentrale unter dem Dach des Landtags und gibt einen Ausblick auf die kommenden Aufgaben und Schwerpunkte.

Wir wünschen Ihnen einen schönen Sommer!

Ihr Redaktionsteam
der Landeszentrale für Politische Bildung Nordrhein-Westfalen


Sommerinterview mit Prof. Dr. Andreas Kost

Prof. Dr. Andreas Kost ist seit Januar 2026 kommissarischer Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen. Der Politikwissenschaftler und Honorarprofessor der Universität Duisburg-Essen verantwortet den Bereich Publikationen in der Landeszentrale.

Herr Prof. Kost, blicken Sie mit uns kurz zurück auf das vergangene Halbjahr in der Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen. 2026 hat mit einer großen Neuerung begonnen.

Ja, seit Anfang des Jahres sind wir erstmals in unserer 80jährigen Geschichte eine teilrechtsfähige Anstalt des Öffentlichen Rechts beim Präsidenten des Landtags. Das hat für uns vieles verändert: Zunächst mal haben wir an thematischer Breite gewonnen, denn neben den Angeboten der politischen Bildung gehört jetzt auch noch stärker die Präventionsarbeit zu den Aufgaben der Landeszentrale. Wir freuen uns, dass vor diesem Hintergrund sowohl in Richtung Politik wie auch in die Wissenschaft neue Netzwerke und Partnerschaften entstehen.

Außerdem merken wir, dass sich die Erwartungen an uns ändern: Dritte messen unserer Stimme mehr Gewicht bei und erwarten, dass diese Stimme zu hören ist und dass wir uns positionieren. Genau das werden wir gemeinsam mit allen Landeszentralen und der Bundeszentrale in diesem Jahr ebenfalls tun: Im Kontext von 50 Jahren Beutelsbacher Konsens lässt sich dann auch mit dem von interessierten Kreisen forcierten Trugschluss aufräumen, politische Bildung habe immer neutral zu sein.

Wie stellt sich die Landeszentrale für kommende Herausforderungen auf?

Die Landeszentrale bleibt auch unter dem Dach des Landtags eine unabhängige und wissenschaftsbasierte Institution. Noch stärker als bislang legen wir aber den Fokus auf unsere Vernetzung innerhalb der Gesellschaft. Dass unsere Angebote alle Bürgerinnen und Bürger erreichen, aus allen Altersgruppen, Milieus und Regionen, darauf legen wir besonderes Augenmerk. Thematisch bauen wir unser Angebot weiter aus, der Bereich Präventionsarbeit, der seit Jahresanfang Teil unseres Aufgabenspektrums ist, eröffnet auch neue Perspektiven.

Zuletzt waren die beiden Bereiche politische Bildung und die Präventionsförderung aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ getrennt. Welche Chancen bietet die Zusammenlegung unter dem Dach der Landeszentrale?

Politische Bildung und Präventionsarbeit verfolgen gemeinsame Ziele: unsere Demokratie fördern, extremistischen Tendenzen vorbeugen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Aus der Praxis wissen wir, dass demokratische Bildung ein zentraler Baustein wirksamer Prävention ist. Umgekehrt können Erfahrungen aus der Präventionspraxis andere Angebote aus der politischen Bildung bereichern. Sie bietet uns die Chance, Konzepte aufeinander abzustimmen, Angebote praxisnäher zu gestalten und so mehr Menschen zu erreichen. 

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Unser klares Ziel ist es, die gesellschaftliche Resilienz zu stärken, um so antidemokratischen Entwicklungen vorzubeugen. Gerade in der Präventionsarbeit wünsche ich mir eine Landeszentrale die entsprechend proaktiv ist. Es gilt für uns zukünftig extremistische Narrative und Trends zu analysieren und auf diesen Frühwarnsystemen unsere Angebote aufzubauen. Eines der Instrumente hierfür wird der Demokratiebericht NRW sein. Den Bericht legt die Landeszentrale seit 2021 vor. Wir veröffentlichen ihn im Rhythmus von zwei Jahren und arbeiten hierfür eng mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen.

Wir haben alle gesehen, dass antidemokratische Stimmen in den Sozialen Medien ihre Verstärker finden. Für uns heißt das sehr konkret, dass wir demokratischen Gegenerzählungen mehr Raum bieten müssen. Außerdem wollen wir mehr als bisher auf Jugendliche zugehen, die wir als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sehen – insbesondere für ihre eigene Altersgruppe, aber auch darüber hinaus. Ich wünsche mir, dass solche Peer Education Programme fester Bestandteil unserer Präventionsarbeit werden.


Veranstaltungen ab August 2026

Treffen Sie das Team der Landeszentrale vor Ort:

  • 28. bis 30. August  – NRW-Tag in Münster 
  • 20. September – Weltkindertag im Landtag Nordrhein-Westfalen
  • 9. Oktober – Parlamentsnacht im Landtag Nordrhein-Westfalen
  • 6. November – Landesdemokratiekonferenz in Düsseldorf
  • 12. bis 14. November – Jugendlandtag NRW
  • 30. November – Verleihung des Gustav-Heinemann-Preises 2026 in der Zentralbibliothek Düsseldorf
     

Serious Games für eine Zeit, in der man vielleicht etwas mehr Zeit hat

Ein Spiel über den Widerstand in der NS-Zeit

„Through The Darkest of Times“ ist ein digitales Strategiespiel, das in der Zeit der Machtergreifung Hitlers 1933 bis zum Zusammenbruch des Dritten Reichs 1945 spielt. Es geht der Frage nach, wie Widerstandsarbeit möglich war in einem Alltag, den die Nationalsozialisten beherrschten. Spielende organisieren eine Widerstandsgruppe, versuchen, das Regime zu schwächen und die Bevölkerung über die nationalsozialistischen Verbrechen aufzuklären. Vor dem Hintergrund der historischen Fakten bleibt das jeweilige Spielende offen: Die Mitglieder der Gruppe können Erfolg haben, aber sie können auch verhaftet werden oder die Gruppe verlassen. 

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Erinnern in digitalen Zeiten

Die Digitalisierung macht auch vor Erinnerungskultur und Trauer keinen Halt. Aber was heißt es, wenn das Gedenken immer digitaler wird? Wenn Verstorbene als Chatbots mit uns kommunizieren können? Formt dann eine Künstliche Intelligenz unsere Erinnerungen? Das vielseitige Webangebot „Eternal You“ geht diesen Fragen nach. In animierten Cartoons, Texten und Filmsequenzen geht es um Menschen und Ideen und um ganz verschiedene Perspektiven auf die Themen Erinnerung und Verlust im digitalen Raum.

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Drei Buchtipps für den Sommer

Doppelte Heimat. Zwischen Ost und West

An alle Comic-Fans ab 9 Jahren richtet sich die Geschichte von Jana und Lutz. Autorin Claire Lenkova erzählt anhand einer Familiengeschichte vieles über die deutsch-deutsche Teilung. Die zwei Geschwister haben einen Lieblingsort – und erfahren, dass der mal auf dem innerdeutschen Grenzstreifen gelegen hat. Wie schwierig es für ihre Familie war, in der DDR zu leben, zeigt der Comic-Roman anschaulich. Denn Janas und Lutz‘ Eltern teilen die Ideologie der DDR nicht. Als sie Ende der 1980er Jahre in den Westen ausreisen, zeigt der sich allerdings auch nicht nur von seiner schönen Seite.

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Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution

Wer in diesem Sommer Zeit hat und sie gerne zum Lesen nutzen möchte, dem sei Sven Beckerts monumentales Buch empfohlen: Auf über 1.200 Seiten zeichnet der Historiker die Geschichte des Kapitalismus nach. Beckert thematisiert das enorme Wachstum und die internationale Vernetzung des Wirtschaftssystems, wendet sich aber auch seinen Schattenseiten zu: Imperialismus, der globalen Ungleichheit und auch der Klimakrise. So entwirft er ein imposantes Gesamtbild des Kapitalismus – und wagt doch auch einen Blick nach vorn.

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Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus

Wie Künstliche Intelligenz und autoritäre Politikformen zusammenhängen, untersucht Rainer Mühlhoff: Der Professor für Ethik beschreibt in seinem Buch einen „neuen Faschismus“, der sich durch antidemokratisches Handeln, Gewaltbereitschaft und den gezielten Einsatz digitaler Technologien als Machtinstrument auszeichnet. Anhand aktueller Beispiele aus den USA zeigt Mühlhoff, wie eng Big Tech und Politik miteinander verschmolzen sind. Künstliche Intelligenz eignet sich besonders für autoritäre Zwecke, argumentiert Mühlhoff. Er plädiert dafür, dass sie stärker demokratisch reguliert wird.

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