Newsletter 2/2026

Liebe Leserinnen und Leser,

seit dem 1. Januar 2026 ist die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen als teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts beim Präsidenten des Landtags angesiedelt. Im Verwaltungsdeutsch mag das sperrig klingen. Aber in einer Zeit, in der demokratische Überzeugungen und Werte sich zunehmend gegen autoritäre Strömungen behaupten müssen, ist das ein starkes Signal. Ein Signal, das aus der breiten Mitte des Landtags kommt – und das für unsere Arbeit mehr als nur symbolisches Gewicht hat.

Dass die politische Unabhängigkeit der Landeszentrale nun durch ein Gesetz auf diese Weise festgeschrieben ist, macht sie zusammen mit ihren Partnern zu einer noch stärkeren Stimme: Was wir behalten, sind unsere Überparteilichkeit und die soliden fachlichen fakten- und forschungsbasierten Grundlagen, auf denen wir arbeiten. Was wir gewinnen, ist ein wachsendes Themen- und Aufgabenspektrum und damit einhergehend auch eine wachsende Verantwortung. Wir sehen darin einen beachtlichen Vertrauensvorschuss des Gesetzgebers – und möchten den in uns gesetzten Erwartungen auch in Zukunft gerecht werden. Über die gewachsene Handlungsfreiheit freuen wir uns und wir werden sie nutzen, um eine größere Rolle im gesellschaftlichen Dialog einzunehmen.

Wie wichtig dieser Dialog ist, führt uns nicht zuletzt der aktuelle dritte Demokratiebericht vor Augen, den Wissenschaft und Landeszentrale im März vorgelegt haben. Der Bericht zeichnet die Einstellungen zur Demokratie in der nordrhein-westfälischen Bevölkerung nach. Vor allem für die mittleren und jüngeren Altersgruppen vermittelt er ein ernüchterndes Bild: Ihre Demokratiezufriedenheit ist im Vergleich zu 2023 deutlich zurückgegangen. Auch das verstehen wir als klaren Arbeitsauftrag, in den Dialog zu gehen – insbesondere mit denen, die nicht zufrieden sind mit unserer Demokratie.
 

Herzlich
Ihr

Prof. Dr. Andreas Kost
Kommissarischer Leiter
Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen


Aktuelles aus NRW

Der dritte Demokratiebericht ist erschienen

Wie steht es um die Demokratie in Nordrhein-Westfalen – und wie wird sie von den Menschen im Land wahrgenommen? Antworten darauf gibt der aktuelle Demokratiebericht, den Wissenschaft und Landeszentrale erarbeitet haben. Der Bericht zeigt auf, wo Herausforderungen und Ansatzpunkte für die politische Bildung liegen.

Zum Demokratiebericht

Was denken wir über die deutsche Kolonialvergangenheit?

In einer großen Befragungsstudie haben Wissenschaftler an der Universität Münster das Wissen und die Einstellungen zur deutschen Kolonialvergangenheit untersucht. Der Geschichtsdidaktiker Dr. Johannes Jansen hat die Studie maßgeblich begleitet. Im Interview ordnet er erste zentrale Ergebnisse ein.

Zum Interview

Studie über Antisemitismus-Prävention

Die Präventionsarbeit gegen Antisemitismus steht seit dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 vor neuen und wachsenden Herausforderungen. Die Servicestelle SABRA hat im Auftrag des Demokratiezentrums NRW untersucht, wie die Bildungs- und Präventionslandschaft in Nordrhein-Westfalen hierfür aufgestellt ist. Die Ergebnisse sind im März veröffentlicht worden.

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„Erinnern beginnt vor Ort“

An über 30 Gedenkstätten Nordrhein-Westfalens wird an die Verbrechen der NS-Zeit erinnert. Was diese kleinen und großen Orte für unsere Demokratie bedeuten, hat Dr. Stefan Mühlhofer nachgezeichnet. Der Vorsitzende des Arbeitskreises NS-Gedenkstätten und Erinnerungsorte in NRW e.V. blickt im Interview mit der Landeszentrale auf Erinnerungskultur in digitalen Zeiten und ihre Rolle für die politische Bildung.

Zum Interview

Geringe Literalisierung: Kein Nischenthema

In Deutschland hat jede und jeder achte Erwachsene Schwierigkeiten mit der geschriebenen Sprache. Das heißt, für über 10 Millionen Bürgerinnen und Bürger sind Lesen und Schreiben riesige Herausforderungen. Die Landeszentrale beleuchtet das Thema aus verschiedenen Perspektiven: Wie sieht der Alltag aus, wenn er von den Hürden geringer Literalisierung bestimmt ist? Welche Ergebnisse liefert die aktuelle Forschung zum Thema? Welche Bildungsangebote bestehen jenseits von schriftlicher Sprache?

Interview mit Prof. Dr. Anke Grotlüschen

Ein Tag mit: Martin, 50, gering literalisiert

„Eine wunderbare Mischung aus Humor und Politik“

Politik hat einen festen Platz im rheinischen Karneval. Kaum jemand weiß das so gut wie Jacques Tilly, der seit über 40 Jahren die Karnevalswagen für den Düsseldorfer Rosenmontagszug baut. Die Landeszentrale hat den Bildhauer gefragt, welche Themen es auf seine Mottowagen schaffen, wen er damit anspricht – und was Karneval eigentlich mit Demokratie zu tun hat.

Zum Interview

Die Nürnberger Prozesse als digitaler Lernort

Die Landeszentrale stellt regelmäßig Serious Games vor, die Politik und Demokratie spielerisch vermitteln. Das Lernspiel „Tribunal 45“ rückt die Themen Menschenrechte, Verantwortung und internationale Justiz in den Fokus. Spielende lernen dabei nicht nur mehr über den Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des 2. Weltkriegs. Sondern sie müssen im Verlauf des Spiels auch selbst Position beziehen zu Fragen nach Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit.

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Die Geschichte der Frauenbewegung

Dieses Buch ist eine Überblicksdarstellung, die zeigt, wie steinig der Weg der Frauenbewegung bis in die Gegenwart war und mit welch großem Einsatz dieser beschritten wurde. Doch ist die Frauenbewegung auch die erfolgreichste soziale Bewegung der Moderne und sie hat die Welt verändert.

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Damals hieß ich Rita

Die Geschichte von Rozette Kats ist eine besondere. Nur weil ihre Eltern sie als Baby an ein anderes Ehepaar gaben, hat Rozette die dunkle Zeit der Judenverfolgung und des Holocaust im Nationalsozialismus überlebt. Das bebilderte Text-Kinderbuch über den Holocaust zeigt trotz aller Schrecken und Unterschiede in dieser Welt, dass es möglich ist, einander zu vertrauen und respektvoll zu begegnen.

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Mevlüde bleibt

„Mevlüde bleibt!“ ist ein Buch gegen das Vergessen. Es erinnert an die 2022 in Solingen verstorbene Mevlüde Genç. Sie verlor durch einen rechtsextremistisch motivierten Brandanschlag zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Trotz des immensen Schmerzes rief sie zeitlebens zu Versöhnung und Verständigung auf.

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